Nina Bachmann
A.P.L.: Du bist in München geboren, aufgewachsen, hast in München studiert, als Grafikerin gearbeitet und bist jetzt eine der spannendsten Künstlerinnen aus und in München. Wie viel Heimat steckt in Deiner Kunst?
Nina: Es stecken natürlich immer die Themen in der eigenen Kunstwelt, die einen prägen, umgeben oder mit denen man sich auseinandersetzt. Wenn man an das touristische München denkt, fällt einem erstmal nur Brezn und Biergarten-Isar-Idyll ein. Aber als geborene Münchnerin und dort vollzeit-tätige Künstlerin fällt mir in erster Linie eine gewisse „Hassliebe" ein - eine einst lebenswerte Stadt, in der ich ein ganzes tolles soziales Netz habe. Weggekommen bin ich nie wirklich, ja es gibt sie auch die schönen Flecken.
Insgesamt ist es aber eine Stadt die immer unattraktiver wird mit immer teureren Mieten, weniger Platz für das Wilde, Extravagante, Kreative, immer weniger Platz für konsumfreie Plätze, für Familien, für die „normalsterblichen“ Leute, kein Platz zum Ausprobieren, Clubsterben, Ateliersterben, es ist zu einem Kampf geworden sich nicht verdrängen zu lassen - und mit seiner Wut irgendwie gut umgehen zu lernen. Ich denke da schwingt sicherlich einiges an Emotionen mit in meinen Bildern.
A.P.L.: Wir sind überzeugt davon, dass Deine Kunstwerke im Wert steigen werden, weil wir glauben, dass Deine Ausbildung und Arbeit zur und als Grafikdesignerin Dir mindestens unterbewusst hilft, zu einer Kunstmarke mit hoher Wiedererkennung und Credibility zu werden. Was hältst Du von dieser steilen These?
Kommt auch vor: Nina am Schreibtisch
Nina: Ich glaube nicht so viel. Klar, ich habe eine Ausbildung als Grafikerin, die evtl. gestalterisch und arbeitstechnisch Einfluss hat, aber das Thema „Kunstmarke“ habe ich so noch nie gesehen. Ich versuche einfach zu arbeiten, auszuprobieren und weiterzumachen. Der Stil und die Wiedererkennung hat sich dann so entwickelt (und entwickelt sich immer weiter), da hatte ich nie einen Plan und als Marke möchte ich mich nicht sehen.
A.P.L.: Du arbeitest ganz klassisch mit Galerien zusammen. Im Moment in Deutschland, UK, Österreich, Dänemark und Spanien. Wie betreibst Du außerdem selbst noch Marketing für Dich?
Nina: Gar nicht konkret. Auf Instagram poste ich hier und da mal was, aber das wars auch schon - auch da gibt es keinen Plan.
A.P.L.: Neben der gestalterischen Einzigartigkeit überzeugen uns Deine Inhalte. Wenn man sich nur kurz auf ein Bild einlässt, ist man bereits in einem Film. Was inspiriert Dich? Woran orientierst Du Dich bzw. Deine Entscheidung für oder gegen Themen und Inhalte?
Nina: Meistens formen sich Bilder im Kopf. Sie bleiben entweder präsent, manchmal verschwinden sie. Wenn sie wiederkommen, dann versuche ich die Idee aufzunehmen, umzusetzen oder mich noch mehr damit auseinanderzusetzen. Mit Themen ist es ähnlich. Es gibt Inhalte die fallen mir ein, kommen wieder und „wollen" bearbeitet werden.
Die Gedanken die kurz aufploppen, aber an die ich mich am nächsten Tag nicht mehr richtig erinnere, verfliegen (erstmal). Meine Inspirationsquelle ist wahrscheinlich doch alles was ich so aufnehme, Zeitung und Bücher lesen, Filme, Serien und co. Aber am meisten dann wahrscheinlich doch der Alltag, die Emotionen, Reaktion und Themen der Menschen. Ich sitze schon sehr gerne da und schaue einfach zu.
Stillleben
A.P.L.: Auf was dürfen wir uns noch freuen von Dir? Was sind Deine Pläne, gerne auch Träume?
Nina: Ich träume von tollen Ausstellungen, guten Galerien und irgendwann auch von Museen. Aber am meisten träume ich eigentlich von einem (großen) eigenen Atelier, was ich unbefristet nutzen kann, in dem ich mich wohlfühle, einrichten und malen kann, ohne das Gefühl zu haben, ich muss bald wieder raus.
Im kleinen eigenen Alltag freue ich mich auch darüber Leuten Einblicke in die Kunstwelt, kreative Prozesse und Themen zu geben. Ich freue mich über jeden, dem ich die Angst Museen und Galerien zu betreten oder den Gedanken „ich kenn mich da nicht aus“ nehmen kann.
Nina Bachmann Atelier
A.P.L.: Auf welche Frage hast Du noch gewartet?
Nina: Warum meine Figuren gelb sind.
A.P.L.: Und, was sagst Du?
Mixed Lightning
Nina: Für mich war das immer eine Farbe der gewollten Neutralität, ohne dass ich mich entscheiden muss welchen Hauttyp oder welche Gesellschaft ich darstellen möchte. Ich glaube es ist der Versuch (auch wenn es unterbewusst passierte) alle mit einzuschließen.
A.P.L.: Die Fragen der Fragen: Was hast Du mal gesammelt, was sammelst Du aktuell und was willst Du irgendwann mal sammeln?
Skizzen, Farben, Pinsel
Nina: Ich habe mal Fußball Pins/Anstecknadeln gesammelt. Die liegen jetzt alle in einer Dose aber ich bin immer wieder kurz davor sie auszupacken, sie zu ordnen und dann weiterzusammeln und auf ebay für seltene Vereine mitzubieten. Früher gabs natürlich Panini Sticker und all die verschiedenen Sachen bei denen man sein ganzes Taschengeld loswerden konnte. Aber im Moment sammle ich nichts, ich versuche eher Dinge loszuwerden.
A.P.L.: Ok, Du bist vielleicht Dein Taschengeld losgeworden, aber wer weiß wie viel der Inhalt Deiner Dose heute Wert ist?
Lieben Dank für das Gespräch
www.ninabachmann.de