Leo Reisinger

A.P.L.: Du bist Musiker, Schauspieler und Schriftsteller. Was muss man aus deinem bisherigen Leben wissen, um zu verstehen, wie es dazu gekommen ist?

Leo: Ich bin in Otterfing aufgewachsen, südlich von München. Eine Gegend, in der Arbeit etwas sehr Konkretes ist. Ich habe eine Schreinerlehre gemacht und später am Münchner Großmarkt Gemüse verkauft. Der Tag begann um zwei Uhr nachts. Mit sechs habe ich Klavier gelernt. Später Blues und Boogie. Musik war immer da, aber nie ein Plan. Zum Schauspiel kam ich eher zufällig. Ich arbeitete als Skilehrer im Robinson Club, ein Bühnenbildner aus Berlin meinte, ich solle mich an der Schauspielschule bewerben. Ich habe es gemacht – und wurde genommen. Im Rückblick wirkt das wie ein Weg. In Wirklichkeit waren es einfach viele Abzweigungen.

Schriftsteller und Schauspieler Leo Reisinger nach dem Signieren seines Buches Bavarese vor der Buchhandlung Literatur Moths

Selfie nach erfolgreichem “Bavarese-Signieren” in der Buchhandlung Moths

A.P.L.: Woran orientierst Du Dich bei Deiner Arbeit? Gibt es Vorbilder oder Idole?

Leo: Mich interessieren Menschen mehr als Karrieren. Ich mag Figuren mit Widersprüchen. Menschen, die kämpfen, scheitern und weitermachen. Vielleicht kommt das daher, dass ich lange in Berufen gearbeitet habe, in denen man das echte Leben sehr nah erlebt. Wenn ich eine Geschichte erzähle – als Schauspieler oder als Autor – versuche ich vor allem, sie ehrlich zu erzählen. Ohne Pose.

Der Roman Bavarese von Leo Reisinger Heyne Verlag

Leo Reisingers Debütroman “Bavarese”

A.P.L.: Du hast lange als Gemüsehändler am Großmarkt gearbeitet und auf der Wiesn gekellnert. Was können wir in deinem Debütroman „Bavarese“ über dich selbst lernen?

Leo: Dass ich genau hinschaue. Der Großmarkt ist ein eigener Kosmos. Dort begegnen sich Menschen aus allen möglichen Welten. Händler, Gastronomen, Fahrer, Verkäufer. Manche erfolgreich, andere ständig am Kämpfen. Diese Mischung hat mich immer fasziniert.„Bavarese“ ist eine erfundene Geschichte, aber die Welt darin kenne ich sehr gut.

Paletten und eine aufgeschnittene Melone mit Messer im Gelände des Großmarkts in München

Pausen-Snack am Münchner Großmarkt

A.P.L.: Wenn es einen roten Faden in deinem Leben gibt: Bodenständigkeit und Neugier auf Menschen. Wie kam es dazu?

Leo: Am Großmarkt steht der Millionär neben dem Mann, der gerade seine letzte Chance nutzt. Auf der Wiesn sitzt der Vorstand neben dem Maurer. Nach drei Maß reden plötzlich alle miteinander. Man merkt schnell: Jeder hat seine Geschichte. Diese Begegnungen prägen den Blick auf die Welt.

A.P.L.: Auf was dürfen wir uns noch freuen von dir? Was sind deine Pläne – oder Träume?

Leo: Ich möchte weiterhin Geschichten erzählen. Als Schauspieler, als Autor oder auf der Bühne mit meiner Band. Am Ende geht es immer um das Gleiche: eine gute Geschichte. Natürlich hoffe ich, dass „Bavarese“ noch ein langes Leben hat – vielleicht auch als Serie. Und ich arbeite bereits an neuen Stoffen.

Leo Reisinger Porträt auf der Buchklappe seines Romans Bavarese. Copyright für das Foto: Christoph Jorda

Geschichten erzählen. Porträt Foto von Leo Reisinger: © Christoph Jorda

A.P.L.: Auf welche Frage hast Du noch gewartet?

Leo: Vielleicht darauf, ob ich manchmal denke, dass das alles ziemlich unwahrscheinlich ist. Vom Schreiner über den Gemüsehändler zum Schauspieler und Autor. Wenn man das so liest, klingt es geplant. War es aber nie.

Die Kult Gaststätte Großmarkthalle im Abendlicht

Kult Gaststätte Großmarkthalle

A.P.L.: Und, was sagst Du? 

Leo: Ich hatte Glück. Vor allem mit den Menschen, die mir begegnet sind. Viele meiner Geschichten beginnen genau dort.

A.P.L.: Die Fragen der Fragen: Was hast Du mal gesammelt, was sammelst Du aktuell und was willst Du irgendwann mal sammeln?

Leo: Als Kind habe ich Fußballbilder gesammelt. Später Geschichten. Heute sammle ich Erinnerungen.Und irgendwann hoffentlich vor allem eines: Zeit.

Melonen Pfirsiche und Pflaumen im Angebot der Großmarkthalle in München

Runde Sache

A.P.L.: Das klingt nach einer runden Sache. Beim Zeit sammeln mache ich sofort mit. Lass uns einen Collectors Club gründen.

Lieben Dank für das Gespräch

Weiter
Weiter

Nina Bachmann