Kerstin Schuck
A.P.L.: Du arbeitest seit über 20 Jahren selbständig als Diplom Designerin für Visuelle Kommunikation. Wie hat sich Deine Arbeit im Laufe dieser Zeit entwickelt? Was hast Du gelernt? Was hast Du verlernt?
Kerstin: Am Anfang habe ich mich auf die Suche nach meiner eigenen Ausdrucksform gemacht. Jedes Arbeitsumfeld hat mich dabei geprägt: das gestalterische Handwerk und die strategische Konzeption lernte ich im Studium in Stuttgart, die Begeisterung für Theater und Kultur nahm ich im Praxissemester aus Berlin mit, Barcelona steht für meine Liebe zu ausdrucksstarken Farben und Formen. Meine ersten sechs Berufsjahre in dieser faszinierenden, lebendigen Stadt waren voller Begegnungen mit Menschen aus aller Welt und machten mich offener und freier meinen eigenen Weg zu gehen. 2008 habe ich in München Planeta Design gegründet und mir im Laufe der Jahre ein Netzwerk aus KundInnen und Kreativen aufgebaut, von denen ich viel lernen durfte. So fand ich mehr und mehr zu meinem individuellen Stil. Verändert hat sich sich im Lauf der Zeit mein Blick auf Dinge und Menschen. In meiner frühen Selbständigkeit war ich sicher etwas naiver. Das habe ich „verlernt“.
Planeta Design Studio
A.P.L.: Wir sind besonders begeistert von Deinen Motiven für den “Thea Kulturklub München”. Wie würdest Du die Arbeit jemandem beschreiben, der sie noch nicht kennt?
Kerstin: Das freut mich. Die Motive sind die Magazin-Cover des Thea Kulturklubs, Münchens Kultur-Community, das 10-mal im Jahr erscheint. Jede Illustration visualisiert mit leuchtenden Farben und klaren Formen ein Thema, wie Natur, Werte, Neugier oder auch Männer. Der grafische Stil macht die Reihe besonders und hat einen großen Wiedererkennungswert. Da die Cover sehr gut ankommen, sind sie jetzt auch als Poster auf meiner Website und bei 89Artprints zu erwerben.
Thea Kulturklub.Magazin
A.P.L.: Bei Deinen Referenzen fällt auf, dass Du neben Verlags- und Mittelstandskunden vor allem für ganz unterschiedliche Institutionen arbeitest, z.B. für das Kulturreferat der Stadt München. Wie kommt es dazu? Was gefällt Dir daran?
Kerstin: Mein erster Auftrag für das Kulturreferat war die Entwicklung des Erscheinungsbildes für das Artist in Residence-Programm. Es war eine tolle Zusammenarbeit, das Ergebnis war sehr gut, so wurde ich weiterempfohlen. Ich schätze sehr, dass ich durch die Arbeit mit den Institutionen das kulturelle Leben Münchens aktiv mitgestalten kann. Auch die Arbeit mit weiteren Auftraggebern des Kulturreferats, wie Urbane Volkskultur oder Spielmotor, ist sehr konstruktiv, offen und wertschätzend. Das macht einfach viel Freude!
Kulturreferat München: Design für Volkskultur
A.P.L.: Welche visuelle Kunst begeistert Dich? Was hängst Du Dir zu Hause an die Wand? Gibt es Kunstwerke von KünstlerInnen, die Du Dir sofort kaufen würdest, wenn es möglich wäre (Verfügbarkeit und Budget…)?
Kerstin: Auf eine bestimmte Kunstrichtung bin ich nicht festgelegt, es kommt auf die Künstlerin oder den Künstler an. GrafikerInnen, die mich begeistern, sind Paul Rand und Paula Scher. Beide transportieren Inhalte mit Humor, Intelligenz und simplen, grafischen Mitteln. Bei mir Zuhause habe ich zwei Bildthemen, Meer und Berg. Dazu finde ich die passenden Bilder auf Reisen, bei bekannten KünstlerInnen wie dem Pariser Illustrator Jean Jullien, der Berliner Fotografin Sarah Illenberger oder bei Freundinnen von mir wie der Fotografin Asja Schubert und der Illustratorin Claudia Lieb. Ich erfreue mich täglich an der Leichtigkeit, Farbe und dem Humor meiner gesammelten Bilder. Ein Yves Klein Gemälde in diesem fantastischem Blau würde noch gut dazupassen.
Innovations-Workshop
Kerstins “kreativer Ansatz”
A.P.L.: Du konzipierst und moderierst auch Innovations-Workshops. Warum soll ich einen Workshop bei Dir buchen? Was ist Dein “Selling-Point”?
Kerstin: Eine Besonderheit meiner Workshops ist mein kreativer, gestalterischer Ansatz. Ich setze mich im Vorfeld intensiv mit dem Team, seinen Werten und seiner Arbeitsweise auseinander, um Bedürfnisse und Ziele klar zu verstehen. Darauf aufbauend entwickle ich einen klaren Rahmen für den Workshop, den ich mit passenden Methoden fülle und visuell unterstütze. Für mich ist gute Gestaltung in jedem Schritt wichtig, von der ersten Idee über die gemeinsame Arbeit bis hin zur Nachbereitung. So entstehen Workshops, die klar, kreativ und motivierend sind und den Teilnehmenden hoffentlich Freude machen.
A.P.L.: Auf was dürfen wir uns noch freuen von Dir? Was sind Deine Pläne, gerne auch Träume?
Kerstin: Ich werde weiterhin aktiv an der Gestaltung von Stadt, Institutionen und Unternehmen mitwirken. Durchdachtes Design beeinflusst nicht nur unsere Umgebung, sondern auch die Gesellschaft und uns selbst. Ein besonderer Traum von mir ist es, einmal die Corporate Identity für Olympische Spiele zu entwickeln. Es wäre auch sehr spannend, das Erscheinungsbild für ein Museum wie das Bayerische Nationalmuseum mitzugestalten.
A.P.L.: Auf welche Frage hast Du noch gewartet?
Kerstin: Warum sollte man ein Plakat von mir kaufen?
A.P.L.: Und, was sagst Du?
Kerstin: Weil es dein Leben und deine Wohnung schöner macht.
Kerstins Poster machen das Leben schöner
A.P.L.: Die Fragen der Fragen: Was hast Du mal gesammelt, was sammelst Du aktuell und was willst Du irgendwann mal sammeln?
Kerstin: Als Kind hatte ich schon ein Faible für Papier. Ich habe Briefpapier, schöne Blöcke und Stifte gesammelt, kleine Schätze, die bis heute in den Schubladen meines Elternhauses liegen. Ebenso lange begleitet mich meine große Liebe zum Lesen. Bücher, die mir inhaltlich und/oder gestalterisch besonders gefallen, bleiben und wachsen nach und nach zu einer ganz persönlichen Sammlung heran. Mit mehr Platz würde ich gerne Keramik und schönes Geschirr sammeln.
A.P.L.: Dann wird es Zeit, dass Du mal für ein Museum arbeitest. Vielleicht kannst Du dann etwas auslagern.
A.P.L.: Herzlichen Dank für das Gespräch