A.P.L.: Du hast in etwa 100 Film- und Fernsehproduktionen mitgespielt und natürlich in zahlreichen Theaterstücken. Was ist Deine beste Erklärung dafür, warum Du Schauspielerin geworden bist und vor allem den Beruf immer noch und immer erfolgreicher ausübst?
Kathrin: Wahrscheinlich würde man sagen, ich habe klassisch dazu gefunden. In der 8. Klasse meinte eine Freundin, ihr Bruder sei in der Theatergruppe und wir sollten das doch auch machen, weil das wohl total Spass macht dort. Es war eine tolle Zeit, ich habe es geliebt. Wir waren von der 5. bis zur 13. Klasse, alle durchgemischt. Im ersten Jahr hatten wir ‚Chantecler‘ aufgeführt. In dem Stück geht es um einen Hahn, der meint, die Sonne gehe auf, weil er kräht. Ich war eine Fledermaus, die im Dunkeln in einer Szene mit einem schwarzen Umhang im Hintergrund stand. Als ich in der 10. Klasse war, hatten wir entschieden ‚Andorra‘ von Max Frisch zu spielen. In diesem Jahr mussten wir für die Rollen vorspielen. Ich wurde von den anderen dazu geschubst, für die Barblin vorzuspielen. Ein anderes Mädchen aus meinem Jahrgang hatte auch dafür vorgesprochen und ich war sicher, sie würde die Rolle bekommen. Es kam anders. Ich hatte Feuer gefangen. Am Ende des Schuljahres wusste ich, das möchte ich machen. Nichts anderes.
Portrait einer Schauspielerin: Kathrin von Steinburg
© Foto: Jeanne Degraa
A.P.L.: Du warst dieses Jahr schon auf vier verschiedenen Theater-Bühnen zu sehen. Die Rollen und Produktionen könnten nicht unterschiedlicher sein, aber die Wirkung aufs Publikum ist durchgehend “beglückend”. Was macht bzw. wie machst Du den Unterschied live vor Publikum?
Kathrin: Ich liebe es zu Drehen, aber Theater spielen atmet noch mal ganz anders. Vor dem Publikum zu stehen, etwas live geben zu können, das ist sehr beglückend und berührt mich immer wieder aufs Neue. Als Schauspielerin gibst Du indirekt Deine inneren ‘Schätze’ an das Publikum weiter. Und es ist immer wieder schön, zu sehen und zu spüren, wie das Publikum das in sich aufsaugt. Wie es nonverbal versteht, was weiter gegeben wird.
Szene aus “Das Abschiedsdinner” (Kleines Theater KAMMERSPIELE Landshut)
© Foto: Stefan Klein
A.P.L.: Du hast Dein Schauspiel-Handwerk in New York gelernt und Dich auch Jahre später in den USA weitergebildet zum zertifizierten Chubbuck Teacher - einer sehr anerkannten Schauspiel Coaching Methode. Wie profitierst Du heute bei der täglichen Arbeit davon?
Kathrin: Bei der Meisner Technik, die ich in New York gelernt habe, geht es vor allem darum, seinen Impulsen zu folgen, im Moment zu sein und Deinen Fokus auf Deine Spielpartnerin zu richten. Von Dir selber weg. Schauspiel ist keineOne-Women-Show, sondern ein Miteinander. Es geht um den Film oder um das Theaterstück und alle, wirklich alle, sind wichtig, damit das Produkt gut wird. Im Moment zu sein ist für mich ein zentraler Punkt des Lebens. Im Moment sein, die Momente geniessen zu können, mich ins hier zu holen. Dazu gehört auch, die Momente auszuhalten, die man für weniger schön oder als nicht schön betrachtet. Sie gehen meist schneller vorbei, wenn man diese Gefühle validiert und sie nicht wegdrückt, das ist zumindest meine Erfahrung. Das alles ist das Leben. Und das alles gehört auch zu meinem Beruf’. Im Moment sein, den eigenen Impulsen zu folgen. Das muss natürlich immer in einem abgesteckten Rahmen und respektvoll den Spielpartnerinnen gegenüber sein.
Studierte in New York. In München zu Hause.
© Foto: Joel Heyd
APL: Und Du bist Musikerin. Ich kenne keine BesucherInnen des Leonard Cohen Abends
“A Thousand Kisses Deep" mit Dir und Jakob Tögel am Münchner Metropoltheater, die nicht nachhaltig begeistert waren. Schreibst Du auch selbst Musik? Welche Art von Musik hörst du zu Hause?
Kathrin: Ja, ich schreibe auch selbst Musik, das mache ich, seitdem ich 15 bin. Es sind immer Phasen, in denen ich dann auch sehr kreativ sein kann. Mir fehlt die Beständigkeit darin. Musik habe ich schon immer gehört, als Kind habe ich viel Klassik gehört, ich hatte ein paar Musikkassetten mit Komponisten, die habe ich rauf und runter gehört. Wenn ich neue Stücke angehört habe, dann habe ich immer im Kopf die Sachen zu Ende gespielt, was wohl kommen könnte, wie ich es weiter komponieren würde. Das war ein Spiel mit mir selbst, um zu sehen, ob ich weiss, wie die Stücke enden, ob ich die Harmonien zu Ende bringe, wie der Komponist. In meiner Jugend habe ich viel alte Sachen gehört, von Jazz über Led Zeppelin, Janis Joplin, Leonard Cohen, uvm. Was ich immer gemacht habe und auch noch mache, ich habe zu den Songs, die ich mir angehört habe, immer zweite Stimmen dazu gesungen. Wenn ich heute bei unserem Cohen Abend auf der Bühne stehe und wir den Song ‘So long, Marianne’ spielen, muss ich immer daran denken, wie ich das Lied auf dem alten Dual Plattenspieler meiner Omi in meinem Zimmer gehört habe und mir dazu die Töne ausgedacht habe, die ich heute auch auf der Bühne singe. Das ist jedes Mal ein unbeschreibliches Gefühl und macht mich wahnsinnig glücklich.
“A thousand kisses deep” (Leonard Cohen). Seit bald 4 Jahren am Metropoltheater München
© Foto: Joel Heyd
A.P.L.: Auf was dürfen wir uns noch freuen von Dir? Was sind Deine Pläne, gerne auch Träume?
Kathrin: Mein Traum ist es, Musik zu machen und damit vor - gerne vielen :) Menschen zu spielen.
Beim “Cohen Abend” spielt Kathrin - neben dem Gesang - 5 verschiedene Instrumente
© Foto: Joel Heyd
A.P.L.: Auf welche Frage hast Du noch gewartet?
Kathrin: Wie kann man sich so viel Text merken?
A.P.L.: Und, was sagst Du?
Kathrin: Gute Frage!
“Glücksmomente” mit Kathrin von Steinburg
© Foto: Joel Heyd
A.P.L.: Die Fragen der Fragen: Was hast Du mal gesammelt, was sammelst Du aktuell und was willst Du irgendwann mal sammeln?
Kathrin: Früher habe ich mal Panini- Bildchen gesammelt. In meinen 20ern, nach der Trennung meines damaligen Freundes, war ich ziemlich traurig und hatte damals angefangen, eine Liste zu schreiben, mit Dingen, die ich gerne tue. Da stand zum Beispiel schaukeln, hüpfen oder durch Laub waten drauf. Und wenn ich einen nicht so guten Tag hatte, dann bin ich die Liste durchgegangen. Bestenfalls konnte ich etwas davon machen, oft hat der Gedanke daran schon geholfen, mir einen kleinen Glücksmoment zu bereiten. Heute sammle ich Erinnerungen, vor allem mit den Menschen, die mir lieb sind.
A.P.L.: Ok, Du hast damals schon eine Bucket List gehabt - beeindruckend. Das Interview mit ART.PRINT.LOVE kannst Du auf jeden Fall jetzt auch abhaken :-)
Lieben Dank für das Gespräch

